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1.1 Modell


Der Begriff Modell erscheint in dieser Arbeit unter verschiedenen Blickwinkeln. Zum einen ist er Oberbegriff zum Begriff Simulationsmodell. Zum anderen aber spielt er in Form von Komposita auch im Kontext der Geographischen Informationssysteme eine große Rolle. Zu klären sind dort etwa die Begriffe Datenmodell, Vektormodell, Rastermodell, hybrides Modell und kartographisches Modell.
Was also ist ein Modell im allgemeinen? Aus dem Beispiel wird ja schon deutlich, daß es sich bei Modellen um etwas handelt, das die Realität beschreibt.
MINSKY gibt eine einfache, sehr allgemeine Definition des Begriffs Modell in [Min68]:
"To an observer B, an object A* is a model of an object A to the extent that B can use A* to answer questions that interest him about A."
PAGE vermittelt eine zu dieser Definition konforme, jedoch mehr systemtheoretisch fundierte Sichtweise des Modellbegriffs.
"Wenn der Mensch einen Ausschnitt der Realität als System identifiziert, wendet er bereits implizite Kriterien an, nach denen er seine Beobachtungen bewertet und ordnet. [...] die untersuchten Systeme werden problemabhängig definiert und weniger interessierende Erscheinungen a priori ausgeklammert. (Hervorhebungen im Original, s. [Pag91], S. 1f)
"Durch den Vorgang der Modellbildung werden Systeme in Modelle abgebildet. Die Modelle sind selbst wiederum Systeme, die aber die Elemente und Relationen des Ursprungssystems in veränderter Weise darstellen." (ebenda, S. 4)
"Modelle sind materielle oder immaterielle Systeme, die andere Systeme so darstellen, daß eine experimentelle Manipulation der abgebildeten Strukturen und Zustände möglich ist." (s.[Nie77], S. 57, vgl. auch [Pag91], S.4)
PAGE klassifiziert in[Pag91] Modelle nach der Art ihrer Untersuchungsmethode, dem Abbildungsmedium, der Art der Zustandsübergänge und dem Verwendungszweck.
"Den Elementen eines Systems können Eigenschaften (Attribute) zugeordnet werden, einem Fahrzeug zum Beispiel die Eigenschaft "Geschwindigkeit". Veränderliche Eigenschaften werden als Zustandsvariablen bezeichnet, die verschiedenen Ausprägungen dieser Eigenschaften als Werte der Zustandsvariablen. Die Menge der Werte aller Zustandsvariablen zu einem bestimmten Zeitpunkt wird als Zustand des Systems bezeichnet[Sch79]. Wenn sich Werte im Verlauf der Zeit ändern, ergeben sich Zustandsfolgen, die das Verhalten des Systems darstellen." (Hervorhebungen im Original, s. [Pag91], S. 2)
Modelle sind zunächst einmal in statische und dynamische Modelle zu unterteilen. Bei einem statischen Modell treten keine Zustandsänderungen auf. Ein Beispiel hierfür wäre etwa eine konventionelle Karte. Ein dynamisches Modell zeichnet sich hingegen durch die Zeitabhängigkeit des Modellzustandes aus.
In Bezug auf Stetigkeit der Funktionen der Zustandvariablen in Abhängigkeit von der Zeit wird bei dynamischen Modellen zwischen zeitkontinuierlichen und zeitdiskreten Modellen unterschieden. In einem zeitkontinuierlichen Modell ist für jede seiner Zustandsvariablen eine kontinuierliche Funktion angegeben, die ihre Abhängigkeit von der Zeit beschreibt. Bei einem zeitdiskreten Modell ändern sich die Werte der Zustandsvariablen dagegen sprunghaft zu bestimmten, auf der Zeitachse diskret verteilten Zeitpunkten.
Orthogonal zu dieser Einteilung in zeitkontinuierliche und zeitdiskrete Modelle verläuft die Einteilung in deterministische und stochastische Modelle. Gibt es für alle in einem Modell vorkommenden Zustandsvariablen eine deterministische Funktion, d.h. ist das Modellverhalten, bezogen auf eine bestimmte Eingabe, ausgehend von einem bestimmten Zustand eindeutig festgelegt, so heißt das Modell deterministisch. Enthält jedoch das Modell für mindestens eine Zustandsvariable eine stochastische Funktion, so heißt es stochastisches Modell.

Abb. 2: Klassifikation von Modellen nach Art der Zustandsübergänge

Ist nichts weiter gesagt, so bedeuten kontinuierlich und diskret immer zeitkontinuierlich und zeitdiskret.
Daneben kann aber jede Zustandsvariable eines Modells einen stetigen oder nichtstetigen Funktionsverlauf in Abhängigkeit von einer anderen Variablen als der Zeit haben. Diese Einteilung spielt im Bereich der GIS-Datenmodelle eine zusätzliche Rolle, insbesondere in Bezug auf die Abhängigkeit von geometrischen Eigenschaften (siehe Abschnitt Kompatibilität von Simulationsmodellen, S. 39).


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