
Für den Begriff des Geographischen Informationssystems gibt es zahlreiche
unterschiedliche Definitionen.
Eine herausragende Erläuterung des Begriffs liefert BARTELME in
[Bar95]. Er beschreibt zunächst einmal den Begriff der Information im
Gegensatz zu dem der Daten (welche insbesondere umgangssprachlich oft synonym
verwendet werden) und setzt sie in eine hierarchische Beziehung zueinander: Er
will von Information dann sprechen, wenn auf eine spezifische Frage eine
Antwort gegeben wird, die das Verständnisniveau des Fragenden erhöht
und ihn befähigt, einem bestimmten Ziel näher zu kommen. Dies geht
mit FLOYD insoweit konform, als sie Verarbeitung von Information an eine
verständige Person gebunden sieht, wohingegen Computer stets nur Daten
verarbeiten[Flo93].
Informationsübertragung verläuft nach Bartelme somit über Daten,
wobei Information der Formalisierung bedarf, um in Daten transformiert werden
zu können, und der Rekonstruktion, mit der aus den Daten wieder
Information gewonnen werden kann. Bei jeder solchen Transformation kann
Information verloren gehen (vgl.[Bar95]).
BARTELME definiert des weiteren:
"Der Begriff der Geoinformation ergibt sich "durch eine Spezialisierung
auf Information, die orts-, lage- bzw. raumbezogenen Charakter hat. Auf die
gleiche Art und Weise ergibt sich der Begriff der Geodaten." [Bar95], S.
12)
Die für den deutschen Sprachraum charakteristische Verkürzung auf die
Vorsilbe Geo- steht dabei für "Geographisch". Diese
Verkürzung wird so aber nicht international verwendet, zumindest nicht mit
gleicher Bedeutung (vgl. ebenda). Daher benutze ich in dieser Arbeit stets die
Schreibweise Geographisch statt Geo. Die Abkürzung
"GIS" steht für "Geographisches Informationssystem", sofern
sie nicht in Zitaten vorkommt.
Folgende Definition eines Geographischen Informationssystems setzt den
Schwerpunkt in den Zweck und die verwendeten Mittel:
"Ein Geoinformationssystem dient der Erfassung, Speicherung, Analyse und
Darstellung aller Daten, die einen Teil der Erdoberfläche und die darauf
befindlichen technischen und administrativen Einrichtungen sowie
geowissenschaftliche, ökonomische und ökologische Gegebenheiten
beschreiben." [Bar95], S.12)
Diese Definition hebt hervor, daß es sich um ein rechnergestütztes
System handelt:
"Ein Geo-Informationssystem ist ein rechnergestütztes System, das aus
Hardware, Software, Daten und den Anwendungen besteht. Mit ihm können
raumbezogene Daten digital erfaßt und redigiert, gespeichert und
reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und graphisch
präsentiert werden." [B&F94], S. 5, Definition 1.2)
Eine weitere Definition liefert den Aspekt, daß ein GIS ein System ist,
welches spezielle Funktionen für die Verwaltung von raumbezogenen oder
geographischen Daten bereitstellt:
"A geographic information system (GIS) is a system that is designed to work
with data referenced by spatial or geographic coordinates. In other words, a
GIS is both a database system with specific capabilities for spatial-referenced
data, as well as a set of operations for working with the data [...]." (s.
[S&E90], S. 2f; vgl. auch[MPM+95], S. 4)
Sehr viel weiter fassen BRILLY et al. ein GIS auf, wenn sie sagen:
"The definition of a GIS is so broad that it can include almost any type of
spatial data arrangement or suite of analysis capabilities. Yet, with any
definition is the fundamental concept of dealing with spatial data. " (s.
[BSV93], S. 547)
In einer Zusammenfassung verschiedener Definitionen charakterisieren GERKEN und
MEYER ein Geographisches Informationssystem wie folgt:
"- Es ist computergestützt
- Es verarbeitet im Unterschied zu anderen Informationssystemen raumbezogene
bzw. geographische Daten.
- Die zur Verfügung gestellten Funktionen lassen sich einteilen in die
Komponenten Eingabe, Verwaltung, Manipulation und Analyse sowie Ausgabe." (s.
[G&M95], S.16)
Ich folge im wesentlichen dieser Charakterisierung, möchte jedoch noch den
Begriff Raumbezug im folgenden Abschnitt etwas genauer bestimmen.
Neben dem international gebräuchlichen Begriff Geographisches
Informationssystem gibt es noch weitere, verwandte Begriffe, die entweder
Spezialisierungen darstellen oder nur im deutschen Sprachraum gebräuchlich
sind wie
* Landinformationssystem (LIS)
* Rauminformationssystem (RIS)
* Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK)
* Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem (ATKIS)
* Umweltinformationssystem (UIS)
(vgl.[Bar95], Sn. 4, 13;[B&F94], S. 365).
Sie finden in dieser Arbeit keine weitere Verwendung.
Eine Einführung in Geographische Informationssysteme für die
Zielgruppe der Informatiker geben GERKEN und MEYER in[G&M95].
Eine breite und umfassende Einführung in die Geoinformatik bietet BARTELME
in[Bar95].
Katalogisierenden Charakter in Form einer Produktstudie (von 1990) hat ein
Artikel von BILL[Bil90], der sich in einer leicht aktualisierten Fassung auch
in[B&F94] wiederfindet.