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2.1 Kopplungsklassifikation

Es gibt verschiedene Ansätze, die Kopplung von Geographische Informationssystem und Simulationsmodellen zu klassifizieren.
Einen allgemeinen Ansatz beschreibt BATTY in[Bat94]. Als elementare Strategie zur Kopplung von Simulationsmodellen und Geographischen Informationssystem bezeichnet er die schwache ("weak") Kopplung der betreffenden Programme. Raumbezogene Daten, sowohl Beobachtungen als auch Modellausgaben, können zwischen den Programmen importiert oder exportiert werden. Als die zwei Extreme der stärkeren ("stronger") Kopplung von Geographischen Informationssystemen und Simulationsmodellen sieht er die Einbettung ("embedding"): einerseits die Möglichkeit (b), GIS-Funktionalität in die Modellierung zu verlegen und andererseits die Möglichkeit (c), Modellierung innerhalb eines GIS zu betreiben.

Abb. 4 Kopplung von Modellen und GIS nach BATTY (vgl.[Bat94], S. 46)

Eine auf GOODCHILD et al. zurückgehende Definition unterscheidet im wesentlichen zwischen loser und enger Kopplung.
"Loose coupling combines the capabilities of separate modules for GIS functions and simulation by transferring simple files, often in ASCII format."
"Tight coupling allows the two modules to run simultanouesly and to share a common database." [S&G94], S. 349)
Sowohl die von Batty als auch die von Goodchild haben Nachteile.
An Goodchilds Definition ist zu bemängeln, daß er bei der Definition der losen Kopplung zwar das Transferieren von Dateien benennt, aber den wesentlichen Aspekt, nämlich die Notwendigkeit von Benutzerinteraktion zum Ingangsetzen des Transfers, außen vor läßt. Daß die ausgetauschten Dateien möglicherweise einfach sind, scheint mir dazu vergleichsweise unerheblich. Desweiteren ist das Teilen einer gemeinsamen Datenbank meines Erachtens kein Kriterium für das Vorliegen von enger Kopplung, auch wenn es damit korrelieren kann und sinnvoll ist. Die Verwendungsart einer Datenbasis wird auch schon durch die Einteilung von Krause und Spur abgedeckt.
BATTY nennt ebenfalls nicht explizit die Notwendigkeit von Benutzerinteraktion in seiner Definition für schwache Kopplung, sie wird jedoch implizit aus dem Kontext klar. Ferner scheint mir seine Definition für starke Kopplung zu eingeschränkt, da eine enge Kopplung, ohne daß gleich eine Einbettung vorliegt, nicht erwähnt wird.
Ich möchte im folgenden drei Klassen der Kopplung einführen:
* keine Kopplung: Ein Datenaustausch zwischen Geographischem Informationssystem und Simulationsprogramm findet nicht statt.
* lose Kopplung: Ein Datenaustausch zwischen Geographischem Informationssystem und Simulationsprogramm kann stattfinden. Es ist dafür notwendig, daß eine BenutzerIn jeden einzelnen Datenaustauschschritt initiiert.
* enge Kopplung: Ein Datenaustausch zwischen Geographischem Informationssystem und Simulationsprogramm kann stattfinden. Es ist dafür nicht notwendig, daß eine BenutzerIn jeden einzelnen Datenaustauschschritt initiiert, sobald das Simulationsexperiment erst einmal gestartet ist. Vielmehr wird der Datenfluß durch eine gemeinsame Kontrollkomponente überwacht. GIS und Simulationsprogramm laufen im allgemeinen gleichzeitig ab.
Einbettung sehe ich als einen Spezialfall der engen Kopplung an. Er besteht aus zwei nahezu symmetrischen Varianten.
* Die vollständige (teilweise) Einbettung eines Simulationsmodells in ein Geographisches Informationssystem liegt vor, wenn ein Simulationsmodell vollständig (teilweise) mit Kommandos oder einer Programmierschnittstelle des GIS realisiert ist.
Und symmetrisch dazu
* Die vollständige (teilweise) Einbettung von GIS-Funktionalität in ein Simulationsprogramm liegt vor, wenn GIS-Funktionalität vollständig (teilweise) mit Kommandos oder einer Programmierschnittstelle des Simulationsprogramms realisiert ist.
Typischerweise ist das Simulationsprogramm dann ein Simulationssystem (vgl.[Pag91]), S. 165ff).
Ist nichts anderes gesagt, so ist vollständige Einbettung gemeint.
Neben diesen grundlegenden Klassifikationen in Anlehnung an BATTY und GOODCHILD et al. verfolgt WAGNER in[Wag96] einen detaillierteren, mehr in Richtung Realisierung orientierten Ansatz. Er hebt die Notwendigkeit hervor, daß jeder Datenaustausch im allgemeinen der Konvertierung, d.h. der Übersetzung eines Datenformats in ein anderes, bedarf, die von einem Konverter durchgeführt wird.
Nachteil seiner Klassifikation ist die Voraussetzung, daß "die Benutzerschnittstelle des durch die Kopplung entstehenden Simulationssystems zur Vereinfachung dem GIS zugeordnet" ist [Wag96], S. 6). Dadurch wird die Sicht verstellt auf jene Systeme, die nicht die Benutzungsschnittstelle des GIS nutzen.
Im folgenden sollen mögliche Architekturen zur Realisierung der Kopplung von Geographischem Informationssystem und Simulationsprogramm näher dargestellt werden. Dies kann auch als eine Verfeinerung der Klasse der engen Kopplung betrachtet werden.


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