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2.3.1 Endlichkeit des Raums

Der betrachtete Raum ist in Geographischen Informationssystemen immer endlich, jedoch auf unterschiedliche Weise:
1. das betrachtete Phänomen erstreckt sich von vornherein nur über einen begrenzten Raum.
2. das Verbreitungsgebiet ist größer, jedoch ist der Raum auf einen Ausschnitt eingeschränkt.
3. die Erde als Ganzes ist endlich, auch wenn sich ihre zweidimensionale Oberfläche zyklisch fortsetzt.
Wichtig im Zusammenhang zwischen endlichen Räumen und Simulationsmodellen ist, daß der Rand einer besonderen Behandlung bedarf. Dies kann zu erheblichen Artefakten in der Simulation führen, die so nicht aufträten, wenn das Modell nicht an dieser Stelle begrenzt wäre.
Ist das betrachtete Phänomen endlich, so ist die einfachste Variante, den betrachteten Raum etwas größer als das Verbreitungsgebiet des Phänomens zu machen. Es darf dann angenommen werden, daß das Modell nicht valide ist, sobald das betrachtete Phänomen den Rand erreicht; bleibt es innerhalb, so ist die Validität zumindest nicht von der Endlichkeit des Raums abhängig.
Es kann aber nicht immer hingenommen werden, die Simulation abzubrechen, wenn das Phänomen den Rand erreicht. So kommt es zu Artefakten, die dann entweder in Kauf genommen oder wenigsten zum Teil behoben werden können.
Es gibt drei unterschiedliche Behebungsstrategien für die Endlichkeit des Raums:
1. Die zyklische Fortsetzung des Raums, so daß die an einem Rand des Raums austretenden Objekte am gegenüberliegenden Ende des Raums wieder eintreten.
2. Das Wegdriften lassen: bewegt sich ein Objekt über den Rand des simulierten Raums hinaus, so geht es verloren in der Annahme, es würde seinen Weg fortan vollständig außerhalb des Raums fortsetzen.
3. Das Schaffen einer Ausgleichsfunktion: Es wird angenommen, daß austretende Objekte oder neue Objekte gemäß bestimmten Regeln sich (wieder) in den Raum hineinbewegen.
1 und 2 sind Spezialfälle von 3. Der Begriff Objekt steht hier synonym für das betrachtete Phänomen und darf nicht zu eng gefaßt sein: Er kann sowohl Materie als auch Energie darstellen, zudem sowohl diskret als auch kontinuierlich sein.
Das "Game Of Life"[Con71] soll dies verdeutlichen: Es ist die Simulation von Leben mittels eines zweidimensionalen binären zellulären Automaten. In Abhängigkeit von der Zahl der Nachbarn werden Zelleneinwohner "geboren" oder "sterben". Während die meisten Strukturen nach wenigen Simulationsschritten verschwinden, gibt es stationäre, in regelmäßigen Zyklen wiederkehrende Strukturen, aber auch stetig wachsende. Andere Strukturen hingegen wachsen nicht, sondern bewegen sich im Verlauf eines Zyklus geradlinig fort.
Ist der simulierte Raum endlich, so erreichen die wachsenden Strukturen, je nach Größe des Raums, nach unterschiedlich vielen Simulationsschritten den Rand. Wird er zyklisch fortgesetzt, so lassen sich je nach Größe unterschiedliche Interferenzmuster beobachten. Ist er offen, so gibt es Muster, die nach einiger Zeit enden, andere, die zyklisch wiederkehren und wieder andere, denen nicht einfach anzusehen ist, ob sie zyklisch sind oder nicht.
Im Bereich der mit Geographischen Informationssystemen gekoppelten Simulationsmodelle gibt es einen Hinweis auf Randartefakte bei[S&F92]: Da aus Gründen der Speicherkapazität nur der westliche Teil der Ostsee simuliert werden konnte, gab es charakteristische Randartefakte, die in der Realität so nicht zu beobachten waren.
Die Endlichkeit des betrachteten Raums Erde ist eine Eigenschaft, die von vornherein Modelle, die auf der Unendlichkeit des zur Verfügung stehenden Raums beruhen, inkompatibel zu GIS macht. Ein Beispiel ist das Modell des Verhaltens einer Fahrzeugkolonne, welches FREESE und SEIDEL in[F&S92] vorstellen. Die modellierten Fahrzeuge bewegen sich in Relation zum ersten Fahrzeug auf einer endlosen Straße. Nun gibt es eine endlose Straße so nicht. Allerdings könnte dieses Modell kompatibel gemacht werden, ohne in seinem Kern verändert zu werden.
Um sinnvoll mit einem GIS gekoppelt werden zu können, müßte die Fahrzeugkolonne so modelliert werden, daß die Fahrzeuge auf einem endlichen Straßenstück fahren. Erreicht das führende Fahrzeug das Ende des Straßenstücks, so wird es entfernt, entsprechend werden unabhängig von der Entfernung neue Fahrzeuge auf den Anfang des Straßenstücks gesetzt.
Diese Modifizierung hat lediglich die Kompatibilität als notwendige Voraussetzung für die Kopplung mit einem GIS hergestellt. Zunächst hat sich jedoch nichts daran geändert, daß das Modell keinen geographischen Raumbezug aufweist. Dazu mehr in Anforderungen an Simulationsmodelle für Kopplung mit einem GIS (S. 54).


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