
Es gibt Situationen, in denen lose Kopplung gegenüber enger
Kopplung vorzuziehen ist:
* Die Kopplung wird nur selten eingesetzt.
* Die Durchführung der Kopplung erfordert nur wenige, einfache
Bedienschritte.
* Die notwendigen Bedienschritte häufen sich in wenigen kurzen
Zeitintervallen, so daß zwischenzeitlich andere Tätigkeiten erledigt
werden können.
* Ergebnisse müssen rasch verfügbar sein, so daß die Zeit
für die Programmierung eines automatisierten Kopplungsmechanismus nicht
vorhanden ist.
* Es gibt keine Möglichkeit, die GIS-Daten in ein dem Simulationsmodell
kompatibles Format automatisch zu exportieren bzw. für den umgekehrten Weg
automatisch zu importieren, außer über interaktive Bedienung.
* Nur das Konzept eines Datenaustauschs zwischen GIS und Simulationsmodell
interessiert, etwa für einen Prototypen.
Die Bewertung enger Kopplung ist etwas komplexer, da sich diese
Klasse noch weiter unterteilt. Für eine genaue Bewertung soll daher
unterschieden werden zwischen enger Kopplung mit und ohne Einbettung.
Viele Vorteile von Einbettung liegen auf der Hand:
* Der Kontrollfluß ist im Vergleich zu eigenständigen eng
gekoppelten Programmen leicht herzustellen
* Da die Benutzungsschnittstelle gut auf das einbettende Systems zugeschnitten
ist, bedarf diese lediglich der Anpassung an die neuen Erfordernisse. Kann eine
flexible Benutzungsschnittstelle vorausgesetzt werden, so ist der Aufwand
für die Anpassung geringer als die komplette Neuerstellung einer
Benutzungsschnittstelle
* Der Datenfluß ist effizienter, da nicht erst ein Export der Daten aus
dem einbettenden System heraus und umgekehrt unternommen werden muß.
Demgegenüber stehen aber auch einige Nachteile der Einbettung:
* Die im GIS integrierte Programmiersprache bietet nicht unbedingt alle
für ein komplexes Modell erforderlichen Kontrollmechnismen an, die
für eine Simulationsablaufsteuerung erforderlich sind.
"GIS is not, for example, structured around processes of simulation or
optimization, so modeling functions must be build anew when applications are
developed." (s.[Bat94])
So können in einer GIS-Programmiersprache ohne Threads keine verteilt
ablaufenden Simulationsmodelle programmiert werden. Es muß dann auf
weniger geeignete Behelfslösungen zurückgegriffen werden. Die
Möglichkeit zur Einbettung ist aber auch von der Simulationsmethode
abhängig: zeitdiskrete Modelle mit äquidistanten Zeitabständen
sind einfach in einer Schleife mit der Zeit als Laufvariable zu
implementieren, jedoch können auch kompliziertere Ablaufsteuerungen, wie
zum Beispiel ereignisgesteuerte Simulationsmodelle, eingebettet werden, wie im
Abschnitt Simulation of Flood Evacuation with GIS auf S. 46 dargestellt
ist.
* Für in einem Simulationssystem eingebettete GIS-Funktionalität gilt
ähnliches. Hier sind es jedoch eher Programmierkonstrukte zur Erzeugung
komplexer Datenstrukturen zur Verwaltung raumbezogener Daten, deren Fehlen sich
störend bemerkbar macht.
Engen Kopplung ohne Einbettung hat
* ihren Hauptvorteil in der hohen Flexibilität des prinzipiell Machbaren,
jedoch vereint mit dem
* im Verhältnis zur Einbettung hohen Programmieraufwand für die
Kopplung, da sowohl der Kontrollfluß als in der Regel auch der
Datenfluß erst hergestellt werden müssen.
* Tendenziell ist die Benutzungsschnittstelle weniger gut integriert als bei
der Einbettung und daher die Auswahl raumbezogener Parameter aufwendiger zu
bedienen. Nach Start des Experiments gibt aber dafür im Gegensatz zu loser
Kopplung keinen Bedienaufwand
In der folgenden Tabelle sind die Eigenschaften zusammengefaßt und stark
vereinfacht bewertet:
lose Kopplung |
enge Kopplung |
||
Einbettung |
getrennte
| ||
Programmieraufwand |
gering |
mittel |
hoch |
Bedienaufwand |
hoch |
gering |
gering |
Flexibilität |
hoch |
mittel |
hoch |