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2.5 Bewertung der Kopplungsklassen


Es gibt Situationen, in denen lose Kopplung gegenüber enger Kopplung vorzuziehen ist:
* Die Kopplung wird nur selten eingesetzt.
* Die Durchführung der Kopplung erfordert nur wenige, einfache Bedienschritte.
* Die notwendigen Bedienschritte häufen sich in wenigen kurzen Zeitintervallen, so daß zwischenzeitlich andere Tätigkeiten erledigt werden können.
* Ergebnisse müssen rasch verfügbar sein, so daß die Zeit für die Programmierung eines automatisierten Kopplungsmechanismus nicht vorhanden ist.
* Es gibt keine Möglichkeit, die GIS-Daten in ein dem Simulationsmodell kompatibles Format automatisch zu exportieren bzw. für den umgekehrten Weg automatisch zu importieren, außer über interaktive Bedienung.
* Nur das Konzept eines Datenaustauschs zwischen GIS und Simulationsmodell interessiert, etwa für einen Prototypen.
Die Bewertung enger Kopplung ist etwas komplexer, da sich diese Klasse noch weiter unterteilt. Für eine genaue Bewertung soll daher unterschieden werden zwischen enger Kopplung mit und ohne Einbettung.
Viele Vorteile von Einbettung liegen auf der Hand:
* Der Kontrollfluß ist im Vergleich zu eigenständigen eng gekoppelten Programmen leicht herzustellen
* Da die Benutzungsschnittstelle gut auf das einbettende Systems zugeschnitten ist, bedarf diese lediglich der Anpassung an die neuen Erfordernisse. Kann eine flexible Benutzungsschnittstelle vorausgesetzt werden, so ist der Aufwand für die Anpassung geringer als die komplette Neuerstellung einer Benutzungsschnittstelle
* Der Datenfluß ist effizienter, da nicht erst ein Export der Daten aus dem einbettenden System heraus und umgekehrt unternommen werden muß.
Demgegenüber stehen aber auch einige Nachteile der Einbettung:
* Die im GIS integrierte Programmiersprache bietet nicht unbedingt alle für ein komplexes Modell erforderlichen Kontrollmechnismen an, die für eine Simulationsablaufsteuerung erforderlich sind.
"GIS is not, for example, structured around processes of simulation or optimization, so modeling functions must be build anew when applications are developed." (s.[Bat94])
So können in einer GIS-Programmiersprache ohne Threads keine verteilt ablaufenden Simulationsmodelle programmiert werden. Es muß dann auf weniger geeignete Behelfslösungen zurückgegriffen werden. Die Möglichkeit zur Einbettung ist aber auch von der Simulationsmethode abhängig: zeitdiskrete Modelle mit äquidistanten Zeitabständen sind einfach in einer Schleife mit der Zeit als Laufvariable zu implementieren, jedoch können auch kompliziertere Ablaufsteuerungen, wie zum Beispiel ereignisgesteuerte Simulationsmodelle, eingebettet werden, wie im Abschnitt Simulation of Flood Evacuation with GIS auf S. 46 dargestellt ist.
* Für in einem Simulationssystem eingebettete GIS-Funktionalität gilt ähnliches. Hier sind es jedoch eher Programmierkonstrukte zur Erzeugung komplexer Datenstrukturen zur Verwaltung raumbezogener Daten, deren Fehlen sich störend bemerkbar macht.
Engen Kopplung ohne Einbettung hat
* ihren Hauptvorteil in der hohen Flexibilität des prinzipiell Machbaren, jedoch vereint mit dem
* im Verhältnis zur Einbettung hohen Programmieraufwand für die Kopplung, da sowohl der Kontrollfluß als in der Regel auch der Datenfluß erst hergestellt werden müssen.
* Tendenziell ist die Benutzungsschnittstelle weniger gut integriert als bei der Einbettung und daher die Auswahl raumbezogener Parameter aufwendiger zu bedienen. Nach Start des Experiments gibt aber dafür im Gegensatz zu loser Kopplung keinen Bedienaufwand
In der folgenden Tabelle sind die Eigenschaften zusammengefaßt und stark vereinfacht bewertet:


lose Kopplung

enge Kopplung




Einbettung

getrennte
Programme

Programmieraufwand

gering

mittel

hoch

Bedienaufwand

hoch

gering

gering

Flexibilität

hoch

mittel

hoch

Tab. 2: Bewertung der Kopplungsklassen


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