Es stellt sich die Frage, welche Eigenschaften Simulationsmodelle mitbringen
oder hinzugefügt bekommen müssen, um für die Kopplung mit GIS
geeignet zu sein. Neben der symmetrisch zum letzen Abschnitt geforderten
Kompatibilität soll hier noch die grundlegendere Frage nach der
Notwendigkeit der Kopplung gestellt werden.
Voraussetzung für die Notwendigkeit der Kopplung eines Simulationsmodells
mit einem GIS ist das Vorhandensein eines geographischen Raumbezugs,
d.h. daß das Simulationsmodell geographisch raumbezogene Daten
konsumiert, produziert oder innerhalb des Modells solche Daten verarbeitet
werden.
Da die Kopplung mit einem GIS einen zusätzlichen Programmieraufwand
bedeuten kann, muß unter dem Gesichtspunkt der Aufwandsminimierung
abgewogen werden, ob das Simulationsmodell überhaupt Raumbezug besitzt und
wenn ja, ob dieser Raumbezug nicht einfacher mit einer allgemeinen graphischen
Benutzungsoberfläche und/oder einem allgemeinen Datenbankwerkzeug zu
realisieren ist. Dieser Aufwand relativiert sich jedoch dann, wenn es nicht nur
um eine Insellösung geht, d.h. nur für ein einzelnes
Simulationsmodell eine spezielle Art von Raumbezug realisiert werden soll. Ist
die zu realisierende Schnittstelle noch für weitere Simulationsmodelle
und/oder weitere GIS verwendbar und besteht zudem der Bedarf dafür, so
kann sich der Aufwand für die Kopplung insgesamt lohnen, selbst wenn er
sich für ein einzelnes Simulationsmodell-GIS-Paar nicht lohnt.
In einem größeren Rahmen kann sich die Kopplung auch dann
für ein Modell lohnen, wenn es keinen geographischen, sondern nur
nichtgeographischen oder gar keinen Raumbezug hat. Im Hinblick auf ein
Modellbanksystem können Modelle auch dann sinnvoll gekoppelt werden, wenn
sie selbst ohne geographischen Raumbezug sind, dafür aber Teil eines
größeren Modells sind, von dessen anderen Teilen zumindest einer
geographischen Raumbezug besitzt.
Hier wäre etwa ein Waldökosystemmodell anzuführen. Ein
Teilmodell wäre etwa der Umsatz von CO2 zu O2 und
Biomasse pro kg Laub eines Laubwaldes. Dieses Laubumsatzmodell besitzt so noch
gar keinen Raumbezug, kann aber durch Umrechnung von empirisch ermittelbaren
Laubgewichtskennzahlen durchaus auf eine Fläche bezogen werden, etwa die
Kennzahl Laubgewicht in kg/m2. Somit wäre der Raumbezug
über ein umfassenderes Modell, das die Laubgewichtskennzahlen verwaltet,
herstellbar. Dieses Beispiel macht ein anderes Problem deutlich, das die
Simulation allgemein betrifft: der Aufwand zur Erhebung
vollständiger Laubgewichtsdaten, also nicht nur von
gemittelten Kennzahlen, ist zu hoch oder nur für kleine Flächen zu
bewältigen. Durch Ableiten der Laubgewichtskennzahlen aus geographisch
raumbezogenem, erfaßtem Baumbestand für das Laubumsatzmodell
ergäbe sich eine Anwendung für die Kopplung von GIS und
Simulationsmodellen.
Andere Simulationsmodelle besitzen zwar einen Raumbezug, diesen jedoch in einem
so kleinen Maßstab, daß sie für die in GIS
üblicherweise verwendeten Maßstäbe ungeeignet sind. So
beschreibt etwa Heitland in[Hei88] unter anderem Modellbausteine zur
Simulation von verbrennungsmotorischen Vorgängen, die einen Raumbezug im
Millimeterbereich und darunter besitzen. Sie sind jedoch dann geeignet, wenn
sie als Teile eines entfernungsabhängigen Emissionsmodells verwendet
werden, da verbindende Komponenten wie das Fahrzeuggetriebe aus dem Raumbezug
im Millimeterbereich rasch einen für GIS relevanten Raumbezug im
Meterbereich und darüber werden lassen. Heitland beschreibt selbst einen
Fahrsimulator zum Test seiner Bausteine.